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Giulia Wirtz

Spieglein Spieglein

 

Der Mensch ist nicht, er muss sich erst noch selbst designen. So scheint es zumindest.
„Mach etwas aus deinem Leben! Gestalte dein Leben, gestalte deinen Körper! Hol das meiste aus dir heraus!“, lautet das Credo unserer Zeit, wie es die Soziologin Waltraud Posch treffend formuliert. Permanent wird uns demnach suggeriert, dass jeder Einzelne nun zum Manager/Designer geworden ist, der die alleinige Verantwortung für die erfolgreiche Gestaltung seines Lebens trägt, die er nur mit dem angesagten Design/früher Körper dazu erreichen kann. Denn wie im Design geht es bei der Körpergestaltung heute nicht mehr nur um die Erzeugung zweckfreier Schönheit. Nein, es geht vielmehr darum Funktionen/gesellschaftlich gefragte Werte, wie Leistungsfähigkeit, Disziplin, Flexibilität oder Individualität, für jeden Betrachter klar sichtbar zu machen.
Ich befasse mich in meiner Bachelorarbeit mit der suggestiven, meist unterbewussten Wirkkraft des aktuellen „Schönheitsideals“, das Schlankheit, Jugendlichkeit, Fitness und Authentizität fordert. Diese Suggestivkraft entsteht durch eine ständige Penetration mit stützenden Motiven. In diesem Fall, der starken medialen Inszenierung des Bereiches „Beauty & Fashion“ sowie der medialen Überpräsenz uniformer, aber im Grunde abnormer und geschönter Körperlichkeit. Hinzu kommt, dass allerorts lautstark mit dem Versprechen geworben wird, einen Vorteil für alle Lebensbereiche zu erlangen, sobald das Ideal erfüllt wird. Mit diesem Hintergrund setze ich in meiner Arbeit Motive und Kodierungen aus dem Bereich „Schönheit“, wie Schlagwörter, Zitate, Trends und Handlungen, illustrativ in einen neuen Kontext, um dadurch die Skurrilität, die oftmals hinter dem steckt, was uns da täglich „verkauft“ wird, darzustellen. Anspruch meiner Arbeit ist zudem, alles soweit wie möglich manuell zu gestalten. Photoshop ist nun einmal der Schönheitschirurg des Illustrators. Es ist ein Buch entstanden mit Collagen aus Linoldruck, Multilinerzeichnung und Handgeschriebenem sowie ausgeschnittenen Bildern und Texten aus Zeitschriften, die vom Aldiheftchen bis zum Fitnessmagazin reichen.
Es ist nicht meine Intention, „Schönheitsideale“ zu verteufeln, sondern vielmehr zu hinterfragen. Wie wollen wir solchen Anforderungen begegnen? Was bewirkt es, wenn wir immer stärker über Äußerlichkeit evaluiert werden? Wird unser Körper dadurch mehr und mehr zum Objekt, das es nur noch zu shapen, highlighten, kaschieren, tannen etc. gilt für das vorgeblich „perfekte“ Design?

 

Kontakt
wirtzgiulia@gmail.com
 

Betreuende Professoren
Burkard Vetter
Julia Pfaller

 

Modul
Illustration

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